Gemeinsam mehr erreichen
Limburg | Wenn unterschiedliche Unterstützungsangebote gut ineinandergreifen, entstehen tragfähige Wege in Ausbildung und Beruf. Der Jugendmigrationsdienst (JMD) der Caritas Limburg und das Landesprojekt Wirtschaft integriert zeigen, wie das gelingen kann: durch kurze Wege, klare Zuständigkeiten und einen regelmäßigen Austausch mit einem gemeinsamen Ziel – Menschen mit Migrationsgeschichte auf ihrem Weg in berufliche und gesellschaftliche Teilhabe bestmöglich zu begleiten.
Für Anna Raabe, Sozialpädagogin beim JMD der Caritas Beratungsstelle in Limburg liegt genau darin die Stärke der Zusammenarbeit. Sie schätzt die Möglichkeit, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und für die Ratsuchenden „das Bestmögliche herauszuholen“. Entscheidend sind für sie kurze Kommunikationswege, transparente Absprachen und ein gemeinsamer Blick auf die jeweilige Person. Nicht „mein Klient – dein Teilnehmer“ sei der richtige Ansatz, sondern ein abgestimmtes Vorgehen, bei dem Zuständigkeiten klar sind und alle Beteiligten „an einem Strang ziehen“.
Davon profitieren vor allem die Ratsuchenden. Denn Unterstützungsbedarfe lassen sich früh erkennen und gezielt dort aufgreifen, wo die passende Expertise liegt. Während der JMD beispielsweise bei persönlichen, sozialen oder aufenthaltsbezogenen Fragen unterstützt, bringt Wirtschaft integriert die reichhaltigen Erfahrungen rund um Berufsorientierung, Qualifizierung, Ausbildung und Arbeitsmarkt ein.
So können gemeinsam Antworten auf ganz konkrete Fragen entwickelt werden: Welche berufliche Richtung passt zu den Interessen und Fähigkeiten? Welche Qualifizierung oder Ausbildung kommt infrage? Welche nächsten Schritte sind notwendig – und wer kann dabei am besten unterstützen?
Wenn Hilfen ineinandergreifen
Wie wirkungsvoll dieses Zusammenspiel sein kann, zeigt das Beispiel eines jungen Mannes aus Afghanistan, den Anna Raabe bereits seit längerer Zeit begleitete. Berufliche oder fachpraktische Erfahrungen hatte er bislang kaum gesammelt. Für seine weitere berufliche Orientierung holte sie deshalb Wirtschaft integriert mit ins Boot. Der junge Mann nahm an der Berufsorientierung BOplus teil. Dort erhielt er die Möglichkeit, unterschiedliche Tätigkeitsfelder praktisch kennenzulernen. Projektmitarbeiterin Christiane Weigerding begleitete ihn bei der Suche nach passenden Praktika, bei Bewerbungen und während seiner betrieblichen Erprobungen. Parallel blieben weitere Themen relevant: Der Teilnehmer bezog Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz und wurde in seinem Asylverfahren anwaltlich begleitet. Anna Raabe unterstützte ihn insbesondere bei der damit verbundenen Korrespondenz.
Damit diese verschiedenen Prozesse nicht nebeneinander verliefen, hielten JMD und Wirtschaft integriert engen Kontakt. Bewerbungsaktivitäten, Praktika und weitere Beratungsschritte wurden abgestimmt, Informationen transparent weitergegeben und Zuständigkeiten klar geklärt.
Schritt für Schritt zur beruflichen Perspektive
So entstand nach und nach eine realistische und tragfähige Perspektive. Nach Abschluss der Berufsorientierung nahm der junge Mann zunächst eine Beschäftigung auf. Gleichzeitig arbeitet er weiter an wichtigen Voraussetzungen für seinen nächsten Schritt: Er möchte seinen Führerschein erwerben und seine Deutschkenntnisse weiter verbessern. Das gemeinsame Ziel steht bereits fest: Im kommenden Jahr soll der Einstieg in eine duale Ausbildung gelingen.
Der Weg dorthin ist damit noch nicht abgeschlossen – aber entscheidende Schritte sind gemacht. Der junge Mann hat praktische Erfahrungen gesammelt, berufliche Möglichkeiten kennengelernt und eine konkrete Perspektive entwickelt. Gleichzeitig bleiben die Unterstützungsangebote auch für die nächsten Schritte anschlussfähig.
Vernetzung, die in der Praxis wirkt
Das Beispiel macht deutlich, worauf erfolgreiche Netzwerkarbeit ankommt: Nicht jede Stelle muss alles leisten. Entscheidend ist, die unterschiedlichen Kompetenzen zu kennen, gezielt zusammenzubringen und Informationen dort zu teilen, wo sie für den weiteren Weg der Teilnehmenden wichtig sind.
Für den Jugendmigrationsdienst und Wirtschaft integriert hat sich diese enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit bewährt. Sie soll auch künftig fortgeführt und weiter gestärkt werden – damit aus unterschiedlichen Unterstützungsangeboten ein gemeinsamer Weg in Ausbildung, Beruf und gesellschaftliche Teilhabe werden kann.

Anna Raabe, JMD der Caritas in Limburg
