<em>Wirtschaft integriert</em> FRAUEN

Hessen | November 2020

Eine Ausbildung sichert die Existenz und verhilft zu einer angesehenen Arbeitsstelle. Die Landesinitiative Wirtschaft integriert unterstützt Frauen mit Migrations- und Fluchtgeschichte dabei, mit einer Ausbildung in Deutschland Fuß zu fassen.Mit Teilzeitmodellen und diversen Unterstützungsangeboten ermöglicht das Projekt auch jungen Müttern den erfolgreichen Einstieg in den Arbeitsmarkt.

Multiple Belastungen erschweren es vielen Frauen mit Migrationshintergrund erheblich, sich auf neue berufliche Herausforderungen zu konzentrieren. Besonders trifft dies auf geflüchtete Frauen zu. Der vollständige Neuanfang in Deutschland unter kargen Bedingungen ist zu bewältigen. Hinzu kommen oft familiäre Sorgen, gesundheitliche Probleme und hohe Unsicherheiten durch einen nicht abgesicherten Aufenthaltsstatus. Die Mütter unter den eingewanderten Frauen stehen wie andere Frauen vor dem Problem unzureichender Kinderbetreuung und Ganztagsschulangebote, wenn sie Zeit für Sprachkurse und andere Qualifizierung bräuchten. 

Im Projekt Wirtschaft integriert gibt es zahlreiche Angebote für Frauen und insbesondere Mütter. Die Berufsorientierungsmaßnahmen [BOplus] der Initiative gibt es an einigen Orten in Teilzeit auch als reine Frauenangebote. Frauen, die dies wünschen, können somit in einer Frauenumgebung einen geschützten Raum finden. Momentan gibt es diese Teilzeitangebote in Frankfurt und Darmstadt. Die Frauen haben hier die Möglichkeit, verschiedene Berufsfelder praktisch zu erproben und das deutsche Bildungs- und Berufsbildungssystem kennen zu lernen und erfahren Unterstützung bei der weiteren Planung ihres Berufs-und Lebenswegs. Eine wichtige Rolle spielt auch die Auseinandersetzung mit Wertvorstellungen und Normen im Alltag und in der deutschen Arbeitswelt. Abgerundet wird die Maßnahme durch eine intensive sprachliche Förderung und Lernunterstützung.

Anschließend geht es weiter mit einer Einstiegsqualifzierung oder einer Ausbildung. Für junge Mütter besteht die Möglichkeit, auch diese in Teilzeit zu absolvieren. Die Mitarbeitenden von Wirtschaft integriert unterstützen die jungen Frauen bei der Suche nach dem passenden Betrieb und begleiten sie während der gesamten Zeit weiter.

Für viele junge Mütter beginnt spätestens an diesem Punkt die größte Herausforderung, denn oftmals ist es schwierig einen Betreuungsplatz für ihre Kinder oder einen Ganztagsschulplatz zu finden. Doch auch hier kann das Projekt helfen. Dies zeigt sich zum Beispiel an dem Fall von Genet, einer jungen Frau aus Eritrea, die als alleinerziehende Mutter nach Deutschland kam.

„Als Genet sich damals bei uns vorstellte, war eine Kinderbetreuung im Rahmen unserer Ausbildungsbegleitung nicht vorgesehen. Ihre Ausbildung drohte zu kippen, da sie keinen Betreuungsplatz für ihre Tochter hatte. Glücklicherweise war das Hessische Ministerium für Wirtschaft Energie, Verkehr und Wohnung [HMWEVW], welches Wirtschaft integriert 2016 ins Leben gerufen hat, bereit die Kosten zu übernehmen“, erzählt Dogan Yilmaz, der in Südhessen für die Leitung des Projektes zuständig ist. Seither ist es in bestimmten Situationen möglich, eine Betreuung über das Projekt zu organisieren.

Die junge Mutter ist heute stolz auf ihre Leistung. „Ich habe mich in den drei Jahren der Ausbildung sehr verändert und viel gelernt. Das hat mir Spaß gemacht und zu meiner persönlichen Entwicklung beigetragen. Als alleinerziehende Mutter bin ich ein Vorbild für meine Tochter. Ich will ihr zeigen, dass man als Frau alles schaffen kann, auch wenn der Weg nicht immer einfach ist“.

Eine weitere Absolventin ist Sarah. Mit viel Eigeninitiative und Unterstützung des Teams von Wirtschaft integriert und ihrem Ausbildungsbetrieb, dem Friseursalon Palma, hat die heute 21-jährige junge Frau aus dem Kongo im September 2019 nach erfolgreich bestandener Prüfung ihre Ausbildung abgeschlossen und wurde danach im Betrieb fest angestellt. 

Mit ihrem ersten Ausbildungsbetrieb hatte sie einige Probleme. Die Mitarbeitenden von Wirtschaft integriert haben ihr jedoch geholfen, einen neuen Ausbildungsbetrieb zu finden. Schließt sich die eine Tür, so öffnet sich an anderer Stelle eine neue. Heute hat Sarah einen sicheren Arbeitsplatz. „Ich verdiene mein eigenes Geld und bin selbstständig. Das ist ein tolles Gefühl. Wirtschaft integriert hat mir geholfen meinen Weg zu gehen, auch wenn er zwischenzeitlich etwas holprig war“.

Sarah und Genet sind, wie viele andere junge Frauen, Vorbilder für Frauen in ähnlicher Lage. Was sich an ihrem Lebensweg besonders zeigt ist, dass es sich lohnt auch in schwierigen Zeiten stark zu bleiben und weiter zu machen. Insbesondere als junge Frau, die sich über Grenzen hinweg auf den Weg in ein anderes Land und ein neues Leben macht, ist es nicht immer einfach in Deutschland Fuß zu fassen. Doch es kann gelingen.

Aktuell befinden sich etwa 170 Frauen in einer Ausbildungsbegleitungplus im Rahmen von Wirtschaft integriert. 16 Frauen haben bereits erfolgreich ihre Abschlussprüfung abgeschlossen.

Genet 4

Sarah und Guiliana2

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