Diar, Elektriker für Haustechnik

„Er hat sich sehr gut ins Zeug gelegt“, so Robert Lang. Vom ersten Tag an war der Firmenchef von Elektrotechnik Robert Lang vom Einsatz des jungen Syrers Diar I. begeistert. Umso mehr freut es ihn, dass er nun seine Gesellenprüfung zum Elektriker für Haustechnik erfolgreich bestanden hat. Keine Selbstverständlichkeit – startete er seinen langen Weg zur Ausbildung doch anfangs ohne ein Wort Deutsch zu sprechen.

Nachdem Diar I. das Gymnasium in seinem Heimatland erfolgsreich abgeschlossen hatte, wollte er eigentlich studieren, aber der Krieg ließ es nicht zu. Als ältester Sohn einer großen Familie, zu der zwei weitere Brüder und sieben Schwestern zählen, blieb ihm nur die Flucht, um nicht in den Krieg ziehen zu müssen. Im Januar 2015 kam Diar I., zu diesem Zeitpunkt noch 17 Jahre alt, in Deutschland an. Damit zählte er bis zu seinem 18. Geburtstag noch zu den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen.

Im Jahr 2017 stieg er dann in die BOplus im Rahmen von Wirtschaft integriert ein. In dieser Vollzeitmaßnahme wird neben der beruflichen Orientierung, auch die deutsche Sprache vermittelt sowie auf Ausbildung und Berufsschule vorbereitet. Auch Unterstützung zur Integration und das Verbessern der persönlichen Rahmenbedingungen hinsichtlich einer Ausbildung werden in Form von sozialpädagogischer Begleitung geprüft und gefördert.

Anschließend entschied sich Diar I. dazu, ein Praktikum zu absolvieren. Die Firma Elektrotechnik Robert Lang war dabei der zweite Betrieb, bei dem sich Diar I. vorstellte. Die Chemie stimmte sofort. „Das hat von Anfang an gepasst“, erinnert sich Robert Lang. Da die Sprache Diar I. aber noch vor Herausforderungen stellte, entschied er sich gemeinsam mit seinem Betrieb für ein Langzeitpraktikum in Form einer Einstiegsqualifizierung mit Stütz- und Förderunterricht bei Wirtschaft integriert in Michelstadt. Sechs Monate lang nahm Diar I. an der EQplus teil. Danach durfte er seinen Ausbildungsvertrag unterschreiben.

Auch während seiner Ausbildung nahm Diar I. das Unterstützungsangebot der ABplus in Anspruch. Vermittelt wurden hierbei Fachunterricht durch berufs- und ausbildungserfahrene Dozenten und Dozentinnen sowie Deutsch mit besonderem Fokus auf beruflicher Fachsprache und Bildungsdeutsch. Auch gezielte Prüfungsvorbereitung zählen zu dem Unterstützungsangebot.

„Die Arbeit hier war für mich nie ein Problem, aber als mit der Ausbildung die Berufsschule anfing, dachte ich die ersten Monate, dass schaffe ich nie und wollte alles hinschmeißen“, gesteht Diar I. heute. Ein Satz, der verdeutlicht, wie schwer es sein kann als Nicht-Muttersprachler dem doch anspruchsvollen Unterricht an deutschen Berufsschulen [gerade in technischen Berufen] zu folgen. Aber Diar I. hielt durch und schon im zweiten Lehrjahr der 3,5-jährigen Ausbildung lief alles besser. „Ich habe Glück gehabt, weil ich es hier im Betrieb schaffen konnte. In anderen Betrieben hätte ich vielleicht nicht so viel Unterstützung gehabt,“ so Diar I. Sein Beispiel verdeutlicht außerdem, das erfolgreiche Ineinandergreifen der Projektbausteine BOplus, EQplus und ABplus, die ihn gut für seine berufliche Zukunft vorbereitet haben.

 

Chefin Ulrike Lang unterstreicht, dass sie und ihren Mann mit dem ehemaligen Azubi ein fast schon familiäres Verhältnis verbinde. Da sei es auch schon mal vorgekommen, dass Diar I. mit ihren drei Kindern Hausaufgaben machte oder spielte. „Bei unseren Kunden ist er sehr beliebt, nicht nur wegen seiner fachlich guten und sauberen Arbeit, auch wegen seiner freundlichen Art“, betont Robert Lang. Von Anfang an durfte er mit auf die Baustellen fahren – oft auch weiter weg, was ihm seine neue Heimat näherbrachte. „Ein wenig Probleme gab es anfangs mit dem Odenwälder Dialekt“, schmunzelt sein Chef, aber auch das habe sich schnell gelegt.

„Ich bin stolz auf unsere Odenwälder Betriebe, die geflüchteten Menschen hier eine gute Chance für ihre berufliche Zukunft bieten,“ so Klaus Marquardt, zuständiger Mitarbeiter von Wirtschaft integriert in Michelstadt. Gemeinsam mit Teamleiterin Birgit Golak besuchte er Diar I. anlässlich seiner erfolgreichen Prüfung im Betrieb. 

Ulrike und Robert Lang gründeten ihre Firma 2004. Derzeit beschäftigen sie neun Mitarbeiter und einen Auszubildenden im ersten Lehrjahr. Seit Firmengründung haben mit Diar I. drei Auszubildende hier ihre berufliche Zukunft gesucht. „Von den Dreien ist Diar I. der Einzige, der tatsächlich seinen Abschluss geschafft hat. Gute Auszubildende zu finden, ist heute nicht leicht“, so Robert Lang. Dass Diar I. im Betrieb bleibt, ist selbstverständlich. Unterstützt vom kommunalen Jobcenter konnte er vor der Ausbildung seinen Führerschein machen, was für diese Voraussetzung war. „Jetzt kann er das Gelernte eigenverantwortlich unter Beweis stellen, was für ihn kein Problem sein sollte “, ist sich Robert Lang sicher. Nach der positiven Ausbildungserfahrung weiß er heute: „Sollte das Bildungswerk nochmals einen Diar haben, wir nehmen ihn sofort.“

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