Ibrahim, Metallbauer

Ibrahim A. ist verheiratet, Vater von drei Kindern – und wagt mit 40 Jahren einen mutigen Schritt: Er beginnt eine Ausbildung zum Metallbauer in Deutschland. Der gebürtige Syrer hat in seiner Heimat jahrelang als Schweißer gearbeitet, doch in Deutschland fehlt ihm zunächst das entscheidende Werkzeug für den beruflichen Erfolg: die Sprache.

„Obwohl ich einen Integrationskurs und weitere Sprachkurse besucht habe, hatte ich trotzdem große Schwierigkeiten in Deutschland eine passende Arbeit zu finden, da meine Sprachkenntnisse noch nicht gut genug waren“, erinnert sich Ibrahim. Seine Frau gibt ihm schließlich den entscheidenden Impuls und motiviert ihn, noch einmal eine Ausbildung in seinem Fachbereich zu machen, um seine Zukunft in Deutschland abzusichern.

Schwieriger Start im ersten Betrieb

2020 beginnt Ibrahim seine Ausbildung. Doch der Start ist alles andere als einfach. Im ersten Ausbildungsbetrieb stößt er auf unerwartete Hürden: „Die Zusammenarbeit im Team war nicht einfach, da im Betrieb wenig Deutsch gesprochen wurde und ich dadurch meine Fachkenntnisse kaum vertiefen konnte.“, berichtet er. Die größten Herausforderungen warten jedoch an anderen Stellen: „Gerade am Anfang war es für mich besonders bei Arbeitsanweisungen und Fachbegriffen schwierig und auch in der Schule gab es Herausforderungen. Nicht nur wegen der Sprache, sondern auch weil ich dort mit Abständen der Älteste war.“

Wendepunkte durch gezielte Unterstützung

Die entscheidende Wende bringt seine Teilnahme am Projekt Wirtschaft integriert. Ibrahim nutzt die angebotenen Deutsch- und Fachkurse regelmäßig und sehr aktiv. „Das war entscheidend für meine Entwicklung. Durch die regelmäßige Teilnahme habe ich mehr Selbstvertrauen bekommen und mich regelmäßig getraut, Fragen zu stellen und Gespräche zu führen“, beschreibt er seine Entwicklung.

Mit Unterstützung der pädagogischen Mitarbeitenden des Projekts findet er einen neuen Ausbildungsbetrieb, der bereit ist, einen entscheidenden Schritt mitzugehen: Der Betrieb stellt ihn teilweise frei, damit er weiterhin an den Kursen teilnehmen kann. Auch sein neuer Ausbilder unterstützt ihn tatkräftig: „Mein Ausbilder hat mir zusätzlich geholfen, indem er am Anfang bewusst in einfacher Sprache mit mir gesprochen hat.“

Drei Säulen des Erfolgs

Ibrahims Alltag ist ein anspruchsvoller Balanceakt aus drei Komponenten: „Mein Alltag bestand aus der Arbeit im Betrieb, dem Besuch der Berufsschule sowie dem regelmäßigen Deutsch- und Fachunterricht im Projekt Wirtschaft integriert“, erklärt er. Die intensive Betreuung zahlte sich aus: „Das Projekt hat mir besonders geholfen, die Fachsprache zu lernen, die Inhalte der Berufsschule besser zu verstehen und mich gezielt auf den Arbeitsalltag vorzubereiten.“

Im neuen Betrieb ist er einer der wenigen mit begrenzten Deutschkenntnissen, weshalb die externe Unterstützung umso wichtiger ist. „Besonders gefallen hat mir, dass ich mit der Zeit viele Aufträge selbständig erledigen konnte“, berichtet er stolz. Die Kombination aus betrieblicher Praxis und gezielter Sprachförderung zeigt Wirkung: „Durch die regelmäßigen Deutsch- und Fachkurse konnte ich meine Leistungen in der Berufsschule deutlich verbessern und mehr Sicherheit gewinnen.“

Erfolg trotz Druck und Widerständen

Der Weg ist nicht leicht: „Während der Ausbildung stand ich unter großem Druck, da ich Verantwortung für meine Familie trage und gleichzeitig auf Unverständnis von meinem erweiterten Umfeld gestoßen bin. Trotzdem habe ich nicht aufgegeben“, erzählt Ibrahim. 

Seine Beharrlichkeit wird belohnt: Mit 43 Jahren schließt er seine Ausbildung erfolgreich ab. Aufgrund seiner guten Leistungen im Betrieb sowie in der Berufsschule kann er die Ausbildungszeit sogar um sechs Monate verkürzen – eine beeindruckende Anerkennung seiner Entwicklung. 

Heute: Etabliert im Berufsleben

Seit seinem Abschluss arbeitet Ibrahim A. in einer anderen Firma, da der Chef aus seinem Ausbildungsbetrieb in Rente gegangen ist. Sein Ziel hat er klar vor Augen: sich beruflich weiterentwickeln und seiner Familie eine stabile Zukunft in Deutschland zu ermöglichen. Seine Erfahrungen gibt er heute gern an andere weiter.


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