Oleksii, Auszubildender zum KFZ-Mechatroniker
Gießen | Oleksii F. kommt 2023 aus der Ukraine nach Deutschland. Einen ersten Abschluss brachte er bereits mit, praktische Erfahrungen fehlten ihm jedoch. Dabei war er noch unsicher, welchen Beruf er ausüben möchte. In der Berufsorientierung BOplus des Projekts Wirtschaft integriert konnte er herausfinden, welcher Beruf zu ihm passt. und über die Einstiegsqualifizierung sammelte er praktische Erfahrungen. Seit dem 01. September 2026 absolviert er seine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker bei A.T.U. in Gießen.
Als Oleksii 2023 nach Deutschland kommt, ist vieles neu: die Sprache, der Alltag und das gesellschaftliche Umfeld. Seine Eltern leben weiterhin in der Ukraine, er selbst kommt zunächst bei Verwandten unter. In der Ukraine hat er ein College im Kfz-Bereich besucht und dort einen Abschluss erworben. Die Ausbildung war jedoch ausschließlich theoretisch angelegt. Für den Einstieg in die deutsche Arbeitswelt fehlen ihm zwei Dinge: praktische Erfahrung und ein klares Bild davon, welcher Weg zu ihm passt.
„Als ich mit der BOplus angefangen habe, war ich noch ziemlich unsicher. Mein Deutsch war nicht so gut und ich wusste noch nicht genau, welcher Beruf zu mir passen könnte. Auch die vielen verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten in Deutschland kannte ich kaum. In der BOplus konnte ich ausprobieren, was mir liegt, und Schritt für Schritt herausfinden, wie es für mich weitergehen kann.“
Ein Berufswunsch darf sich verändern
Nach einem erfolgreich absolvierten Sprachkurs möchte Oleksii seine Zukunft in Deutschland aktiv gestalten und eine Ausbildung beginnen. Sein neuer Berufswunsch zu diesem Zeitpunkt: Goldschmied. In der Berufsorientierung BOplus erhält er die Möglichkeit, verschiedene Berufsfelder kennenzulernen und seine Stärken in der Praxis zu erproben. Durch die von Wirtschaft integriert organisierten Praktika lernt er verschiedene Berufsfelder kennen – und merkt schnell, wo seine Stärken tatsächlich liegen. Dabei kehrt er auch in den Kfz-Bereich zurück, mit dem er sich bereits während seiner theoretischen Ausbildung am College in der Ukraine beschäftigt hat. Die Arbeit an Fahrzeugen und das Lösen technischer Aufgaben begeistern ihn. Er erkennt, dass er an seine bisherigen Kenntnisse anknüpfen und sie nun praktisch anwenden möchte. So entwickelt er nach und nach eine konkrete berufliche Perspektive.
In der Einstiegsqualifizierung EQplus kann Oleksii an das anknüpfen, was er im Praktikum für sich entdeckt hat. Im Betrieb sammelt er nun über einen längeren Zeitraum praktische Erfahrungen, lernt die Abläufe und Anforderungen im Arbeitsalltag kennen und findet sich immer besser zurecht. Schnell zeigt sich: Oleksii ist zuverlässig, engagiert und möchte dazulernen.
Auch in der Werkstatt übernimmt Oleksii nach und nach mehr Aufgaben. Nach der Einarbeitung wechselt er selbständig Reifen und Öl und führt unter Anleitung erste Reparaturen an Kundenfahrzeugen durch. So kann er das theoretische Wissen aus seiner Ausbildung in der Ukraine erstmals umfassend praktisch anwenden. „Mir macht das Lernen bei der Arbeit in der Werkstatt sehr viel Spaß, jetzt kann ich meine theoretischen Kenntnisse praktisch umsetzen“, so Oleksii.
Parallel besucht er den Stützunterricht von Wirtschaft integriert. Dort verbessert er sein Deutsch, eignet sich wichtige Fachbegriffe für den Werkstattalltag an und bereitet sich auf die Inhalte vor, die ihn später in der Berufsschule erwarten.
Gleichzeitig unterstützt ihn das Projekt auch bei Fragen, die über den betrieblichen Alltag hinausgehen. Besonders wichtig ist für Oleksii die pädagogische Begleitung. So gibt es beispielsweise Schwierigkeiten bei der Anerkennung seines ukrainischen Schulabschlusses. Gemeinsam mit seiner Pädagogin kann er die notwendigen Schritte klären und die zuständigen Stellen kontaktieren. Auch beim Umzug in seine erste eigene Wohnung und im Kontakt mit Behörden erhält er Unterstützung. Das hilft ihm, seinen Alltag zunehmend selbstständig zu organisieren und sich auf seine beruflichen Ziele zu konzentrieren.
Angekommen – und bereit für den nächsten Schritt
Am 01. September 2026 folgt der nächste große Schritt: Oleksii beginnt seine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker bei A.T.U. in Gießen. Auch dann bleibt Wirtschaft integriert an seiner Seite. In der Ausbildungsbegleitung ABplus erhält er weiterhin Sprach- und Fachunterricht sowie sozialpädagogische Begleitung – damit aus einem guten Start auch ein erfolgreicher Abschluss wird.
Inzwischen lebt Oleksii in einer eigenen Wohnung und organisiert seinen Alltag selbstständig. Als Auszubildender gehört er zu einem Team, arbeitet mit Kolleginnen und Kollegen zusammen, übernimmt Verantwortung und entwickelt sich fachlich wie persönlich weiter.
Auch außerhalb der Arbeit hat Oleksii in Gießen Fuß gefasst. Er hat Freunde gefunden, geht gerne ins Fitnessstudio und organisiert seinen Alltag. Mit seinen wachsenden Deutschkenntnissen und den Erfolgen im Betrieb ist auch sein Selbstvertrauen gestiegen. Vor allem die Erfahrung, seine berufliche Zukunft selbst mitbestimmen und eine bewusste Entscheidung für die Ausbildung treffen zu können, gibt ihm Sicherheit für die nächsten Jahre.: „Heute fühle ich mich zwischen Gießen und Charkiv zu Hause. Ich freue mich darauf, meinen Weg hier weiterzugehen und jetzt mit meiner Ausbildung richtig durchzustarten“, erzählt Oleksii.
Aus einem jungen Mann, der in Deutschland zunächst seinen Platz suchen musste, ist ein angehender Kfz-Mechatroniker geworden, der seine Zukunft aktiv gestaltet. Die Ausbildung ist für ihn dabei weit mehr als der Einstieg in einen Beruf.

Oleksii F. und Maik Thormann-Reusch (Kfz-Meister, Lehrkraft am Standort Gießen)
