Tchani, Straßenbauer

Bad Hersfeld | Als Tchani M. im September 2023 aus Togo nach Deutschland kam, hatte er ein klares Ziel: seine Ausbildung im Straßen- und Tiefbau erfolgreich abschließen und sich hier eine berufliche Zukunft aufbauen. Heute arbeitet er als Facharbeiter im Straßenbau. Bis dahin hat er nicht nur fachlich viel gelernt, sondern auch sprachlich und persönlich große Schritte gemacht.

In seinem Herkunftsland Togo besuchte Tchani die Schule bis zum Abitur und absolvierte anschließend einen Deutschkurs auf B1-Niveau. Von Togo aus bewarb er sich bei STRABAG in Bebra um einen Ausbildungsplatz. Nach einem erfolgreichen Auswahlverfahren erhielt er sein Visum und konnte im September 2023 nach Deutschland einreisen und seine Ausbildung beginnen. Der Start in einem neuen Land und einem neuen Arbeitsumfeld verlangte ihm einiges ab. Besonders die Fachsprache und das hohe Tempo auf der Baustelle waren zunächst eine Herausforderung. Gleichzeitig gefiel ihm die praktische Arbeit von Anfang an. Unterstützung fand er vor allem bei seinen Kolleginnen und Kollegen: Sie erklärten Arbeitsabläufe, nahmen sich Zeit und gaben ihm die Sicherheit, jederzeit nachfragen zu können. „Am Anfang war vieles neu für mich. Vor allem die Fachsprache und das Tempo auf der Baustelle waren eine Herausforderung. Mir hat sehr geholfen, dass ich immer Fragen stellen konnte und meine Kollegen sich Zeit für Erklärungen genommen haben.“ Mit der Zeit gewann Tchani zunehmend Sicherheit. Er verstand die Abläufe besser, konnte sich fachlich immer stärker einbringen und fand seinen Platz im Team.

Unterstützung auf dem Weg zum Abschluss

Im September 2024 kam Tchani auf Empfehlung und in enger Abstimmung mit seinem Ausbildungsbetrieb zur Ausbildungsbegleitung ABplus von Wirtschaft integriert. Dort erhielt er Unterstützung in Deutsch sowie in den prüfungsrelevanten Bereichen Politik und Wirtschaft. Hinzu kam die sozialpädagogische Begleitung. Tchani nutzte die Angebote von Beginn an sehr aktiv. Er kam zuverlässig und pünktlich, erledigte seine Aufgaben sorgfältig und fragte von sich aus nach zusätzlichem Übungsmaterial. Auch in den pädagogischen Gesprächen setzte er sich intensiv mit seiner eigenen Entwicklung auseinander und arbeitete konsequent an den Punkten weiter, die ihm noch Schwierigkeiten bereiteten.

Diese Beharrlichkeit zeigte Wirkung: Seine schulischen Leistungen wurden immer besser. Seine Zwischenprüfung absolvierte er bereits mit einem sehr guten Ergebnis. Für Tchani war dabei besonders die Kombination aus Unterstützung im Betrieb, gezieltem Unterricht und festen Ansprechpersonen bei Wirtschaft integriert wichtig. Sie half ihm, sprachlich sicherer zu werden, Fragen frühzeitig zu klären und seinen Ausbildungsalltag zunehmend selbstständig zu bewältigen. „Der Unterricht hat mir geholfen, besonders in Deutsch und in Politik und Wirtschaft sicherer zu werden. Genauso wichtig war für mich, dass ich wusste: Wenn etwas schwierig ist, kann ich fragen und bekomme Unterstützung.“

Ankommen in Deutschland und im Alltag

Gerade in der ersten Zeit in Deutschland ging es für Tchani nicht nur um die Ausbildung, sondern auch darum, sich im Alltag zurechtzufinden. Viele Dinge waren neu: der Umgang mit Behörden, organisatorische Fragen rund um das Wohnen sowie das Verständnis für Abläufe und Strukturen im Alltag. In der sozialpädagogischen Begleitung konnte er diese Themen ansprechen und klären. Für ihn bedeutete das vor allem, Unsicherheiten abzubauen und Schritt für Schritt eigenständiger zu werden. Er wusste, an wen er sich wenden kann, wenn etwas unklar ist, und bekam Unterstützung dabei, Lösungen zu finden.

Diese Sicherheit wirkte sich auch auf seine Ausbildung aus. Mit wachsendem Verständnis für sein Umfeld und mehr sprachlicher Sicherheit konnte er sich im Betrieb offener einbringen, aktiv nachfragen und Verantwortung übernehmen. Er fand Anschluss im Team und entwickelte das Gefühl, dazuzugehören. Rückblickend beschreibt Tchani diese Zeit so, dass er nicht nur fachlich begleitet wurde, sondern auch im Alltag Orientierung und Unterstützung erhalten hat – ein entscheidender Faktor dafür, dass er sich in Deutschland einleben und seinen Weg gehen konnte.

Vom Auszubildenden zum Facharbeiter

In der Abschlussphase zeigte sich, wie weit Tchani gekommen war. In Politik und Wirtschaft erreichte er 97 Punkte und damit die Note 1. Auch seine praktische Abschlussprüfung bestand er mit der Note 2; auf seinen Zeugnissen standen fast ausschließlich gute bis sehr gute Noten. Dass Tchani längst seinen festen Platz im Betrieb gefunden hatte, zeigte sich auch in der Perspektive, die ihm STRABAG eröffnete: Bereits ein halbes Jahr vor seiner Abschlussprüfung erhielt er das Angebot für einen Arbeitsvertrag. Nach seinem erfolgreichen Abschluss wurde er direkt übernommen und arbeitet heute als Facharbeiter im Straßenbau.

„Ihr wart für mich wie ein Zuhause“

Nach seiner Abschlussprüfung kam Tchani noch einmal persönlich zu Wirtschaft integriert. Bei Kaffee und Kuchen blickte er gemeinsam mit den Mitarbeitenden auf seine Ausbildungszeit zurück. Dabei sagte er einen Satz, der besonders in Erinnerung geblieben ist: „Ihr wart hier für mich wie zu Hause.

Für Tchani beschreibt dieser Satz mehr als die Unterstützung im Unterricht. Er verbindet damit das Gefühl, nicht allein zu sein, Fragen stellen zu können und ernst genommen zu werden. Die Begleitung gab ihm Orientierung im neuen Umfeld und die Sicherheit, seinen Weg gehen zu können. Seinen Weg möchte er nun weitergehen. Zunächst will Tchani auf unterschiedlichen Baustellen Berufserfahrung sammeln. Später kann er sich vorstellen, sich zum Polier weiterzuqualifizieren. Sein Ziel ist es, langfristig in Deutschland zu bleiben, sich beruflich weiterzuentwickeln und neue Chancen zu nutzen.

Anderen Auszubildenden gibt er aus seiner eigenen Erfahrung mit auf den Weg: Fragen stellen, pünktlich und zuverlässig sein, jeden Tag ein wenig Deutsch üben, Hilfe annehmen und auch dann weitermachen, wenn es einmal schwierig wird.

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