Sprache im Betrieb täglich lernen

Darmstadt | Deutsch fördern in der Ausbildung – zweifellos ist dies für Auszubildende mit Sprachförderbedarf und ihre Betriebe eine zentrale Herausforderung, die es zu bewältigen gilt. Die jungen Menschen leisten Besonderes: Sie erlernen ihren Beruf in der Zweitsprache Deutsch. Oftmals zeigen sich die Herausforderungen erst im Arbeitsalltag, etwa wenn es zu Missverständnissen kommt oder neue Wege gefunden werden müssen, um komplexe Arbeitsaufträge präzise zu vermitteln. Wirtschaft integriert und das Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge [NUiF] haben deshalb interessierte Betriebe zu einer Veranstaltung eingeladen, die im Rahmen eines kleinen Frühstücks sowohl Information zu Unterstützungsangeboten als auch Raum zum Austausch von Erfahrungen und Ideen bot. Die Veranstaltung fand am 07. September 2018 in der IHK Darmstadt statt.

 Gruppe

Gudrun Reinhart, die zuständige Referentin für Berufliche Bildung vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, stellte zunächst das Landesprojekt Wirtschaft integriert mit besonderem Fokus auf die berufsbezogene Deutschförderung vor, die in allen Projektbausteinen kontinuierlich umgesetzt und bedarfsorientiert weiterentwickelt wird. Max Klasen, Projektreferent des NUiF, präsentierte die vielfältigen Angebote des Netzwerkes Unternehmen integrieren Flüchtlinge, von denen Unternehmen bundesweit profitieren können.

Interview

Ein Praxisbeispiel aus dem Projekt Wirtschaft integriert vermittelte einen lebhaften Eindruck, wie Sprache im Betrieb tagtäglich erfolgreich vermittelt werden kann. Michael Hofmann, der die Bäckerei Hofmann in Darmstadt mittlerweile in der vierten Generation führt, berichtete in einem Interview über seine Erfahrungen. Seit etwa einem Jahr absolviert ein junger Mann aus Afghanistan die Ausbildung zum Bäcker in seinem Betrieb und wird dabei durch die Ausbildungsbegleitung von Wirtschaft integriert ergänzend unterstützt. „Vor allem am Anfang war die Sprache eine Hürde, die er erst einmal nehmen musste“, berichtet Hofmann. „Mittlerweile hat er sich wirklich gut entwickelt und der Arbeitsalltag funktioniert“. Neben der Sprachförderung im Rahmen von Wirtschaft integriert waren Zeit und Engagement sowohl des Betriebes als auch des Auszubildenden notwendig, um die Grundsteine zu legen. „Deutlich sprechen, Redewendungen vermeiden, Arbeitsanweisungen präzise formulieren und immer wieder nachfragen“, so fasst Hofmann seine Tipps für Betriebe zusammen – und bemerkt abschließend: „Letztendlich profitieren alle davon, wenn jeder ein wenig mehr auf die Kommunikation im Arbeitsalltag achtet“.

Metaplanwand

Im anschließenden Erfahrungsaustausch wurden weitere Tipps, Hilfestellungen und Hilfsmittel gesammelt und diskutiert, die zur Sprachförderung im Betrieb beitragen. Dabei wurde deutlich, wie durch kleine Hilfestellungen schon sichtbare Effekte erzielt werden können und der Betrieb als Lernort für Sprache aktiv gestaltet werden kann. Die Teilnehmenden waren sich jedoch einig, dass es für die Beteiligten darüber hinaus geeigneter Fördermaßnahmen bedarf, um das Erlernen der deutschen Sprache kompetent zu unterstützen und nachhaltige Effekte zu erzielen. Um die Veranstaltung abzurunden, erhielten die Teilnehmenden abschließend Informationen zu weiteren Unterstützungsangeboten für Betriebe und Auszubildende in Hessen.

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Carolin Stierle (BWHW), Gudrun Reinhart (HMWEVL), Michael Hofmann (Bäckerei Hofmann), Anja Dörr (BWHW), Max Klasen (NUIF)

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